Mittwoch, 7. Dezember 2016

Einsicht ist Ansichtssache

Ich befürchte, das wird eine Art deprimierende Rückkehr. Die Geschichte von der Einsicht. Die unbekannte Einsicht. Die nicht vorhandene Einsicht. Die niemals eintreffende Einsicht. Die traurige Einsicht. Es gibt so unendlich viele Einsichten. Am schlimmsten finde ich eine verspätete Einsicht. Man sagt immer ganz einfach "Besser spät als nie" aber die Zeit spielt doch einen wirklich großen Faktor. Einmal ausgesprochene Worte können nicht mehr zurück geholt werden. Manchmal erfolgt die Einsicht darüber, dass die Worte kacke waren, danach. Das ist aber genau so schlimm, wie die fehlende Einsicht. Worte sind und bleiben ausgesprochen. Ebenso wie Taten. Man kann sie nicht verändern oder zurück holen. Der erste Eindruck sitzt so fest wie der stärkste Fels der Welt. Kennt Ihr also diese Worte, bei denen Ihr wünscht sie hätte niemals jemand ausgesprochen? Taten von denen man sich wünscht, sie wären niemals getan worden? Letzte Woche habe ich eine der heftigsten Worte überhaupt zu hören bekommen. Von einer Person von der ich mit diesen Worten nicht gerechnet habe. Tatsache ist nämlich, dass mich diese Worte in anderen Formen schon öfter erreichten. Ich sagte sie mir öfter als ich zählen kann. Aber niemals im Leben glaubte ich sie von meiner Mutter zu hören, als sie mich durch den Hörer anschrie wie blöd ich bin. Das saß tief. Unter uns, es sitzt immer noch. Ziemlich fest übrigens. Der beste Weg wäre gewesen, wenn die schnelle Einsicht erfolgt wäre. Scheiße, ich habe echt Mist gebaut mit meinen Worten, egal wie stressig mein Tag war, sowas kann ich meinem Kind nicht sagen! Hierbei sind wir aber bei der späten Einsicht. Sie hat nämlich überhaupt nichts verstanden. Sie hat mich damit Jahre zurück geworfen. Jahre voller Selbsthass und Schmerz. "Wie blöd kann man eigentlich sein?" Verdammt blöd, wenn du mich fragst. Viel zu viele Worte. Die Einsicht bei ihr kam wirklich spät und auch nicht von alleine. Leider musste mein Vater nachhelfen und ihr erzählen, wie beschissen es mir mit diesen Worten geht. Ich bin an dem Tag nicht nachhause gekommen, auch danach nicht. Sie hat sich einfach keine sorgen gemacht. Ich war nicht da und das war eben so. Mein Papa hat also mal wieder den Vermittler gespielt, weil sie von alleine nicht darauf kam, dass diese Worte unpassend und schmerzhaft waren. Vor allem, weil mindestens 15 Leute in der U-bahn mitgehört haben wie ich am Telefon angeschrien wurde. Demütigend und unverzeihlich. Sie hat sich also rührend entschuldigt und ihre Einsicht war mehr oder minder da. In die andere Richtung funktioniert das auch grandios. An Nikolaus hat mich jeder vergessen. Ich hab nichts bekommen, egal in welchem Zuhause ich war. Da musste meine Mutter doch wirklich meinem Papa mitteilen, dass sie beide versäumt haben was zu holen. Späte Einsicht. Ich will kein Nikolauskack zwei Tage später. Es geht auch nicht um das Zeug, sondern um den Gedanken daran, dass man Kinder hat und sie einfach vergisst. Diese Geschichten könnte ich ewig weiter führen. Momentan zieht mich alles runter, weil ich ständig neue Schläge verpasst bekomme. Die Einsicht bringt einem nichts. Es erfolgt selten bis nie eine Entschuldigung für völlig dämliches Fehlverhalten, was nur verletzend ist. Aber eins weiß ich, dass jede Einsicht die bei anderen erfolgt zu spät ist. Die ausgesprochenen Worte müssen vorher durchdacht werden. Denn was einmal ausgesprochen ist, kann man nicht zurück nehmen und wird vielleicht dauerhafte Schäden und Wunden hinterlassen. Wie man etwas sagt, kann ebenso viel helfen. Ich würde gerne meinem Umfeld sagen, wie sensibel ich bin, was Worte angeht und dass es nicht schaden kann 2 Minuten vor einem Angriff darüber nachzudenken. Ich habe Zeit. Vor allem genug Wunden. Ich brauche nicht mehr davon. Ich kann gut ohne, denn ich habe mit mir schon genug Probleme. Unendlich viele.

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